DIN EN 1090-1 – Warum die Normreihe für metallverarbeitende Betriebe in der EU so wichtig ist.

Stahlprofil mit S355 Stempel

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Seit Juli 2014 sind Europäische Unternehmen in der Baubranche dazu verpflichtet, tragende Produkte aus Stahl und Aluminium nur noch mit einer CE-Kennzeichnung innerhalb der EU in Verkehr zu bringen. Die im Jahr 2010 eingeführte Norm DIN EN 1090-1 regelt den Konformitätsnachweis, die Hersteller-Zertifizierung sowie die Werkseigene Produktionskontrolle.

Begriffe

Ausführungsnorm: z.B. DIN EN 1090-2/3/4/5

Bemessungsnorm: z.B. DIN EN 1990 ff. (Eurocodes)

Was ist die DIN EN 1090?

Im Dezember 2011 veröffentlichte die Europäische Union die neue Fassung der Bauproduktenverordnung 305/2011 (EU) (vorher 89/106/EWG Bauproduktenrichtlinie). Die neue Verordnung verpflichtet Metallverarbeitende Betriebe nun tragende Bauteile aus Stahl oder Aluminium mit einer Konformitätserklärung zu versehen. Hierzu wurde die Normenreihe DIN EN 1090 ausgearbeitet, die aus drei Teilen besteht:

  • DIN EN 1090-1: Ausführung von Stahltragwerken und Aluminiumtragwerken – Teil 1: Konformitätsnachweisverfahren für tragende Bauteile; Deutsche Fassung EN 1090-1:2009+A1:2011
  • DIN EN 1090-2: Ausführung von Stahltragwerken und Aluminiumtragwerken – Teil 2: Technische Regeln für die Ausführung von Stahltragwerken; Deutsche Fassung EN 1090-2:2018
  • Ausführung von Stahltragwerken und Aluminiumtragwerken – Teil 3: Technische Regeln für die Ausführung von Aluminiumtragwerken; Deutsche Fassung EN 1090-3:2019

Konformitätsnachweis

Der erste Teil der harmonisierten Europäischen Norm (DIN EN 1090-1), beschäftigt sich mit der Bemessung und Herstellung von tragenden Bauteilen in der Baubranche aus Stahl oder Aluminium. Die Anwendungsbereiche sind tragende Bauteile, wie ggf. auch Bausätze. Bei Einhaltung des aufgezeigten Leitfadens kann davon ausgegangen werden, dass Bauteile angegebene Leistungsmerkmale besitzen. Man spricht hier von einer Konformitätsvermutung. Voraussetzung für diese Vermutung ist (u.a.) das Arbeiten nach den anwendbaren Teilen der Eurocodes (Bemessungsnormen), sowie den Ausführungsnormen EN 1090-2/3.

Anforderungen um eine Konformität nachzuweisen:

  • Zulässige Konstruktionsmaterialien sind den jeweiligen Ausführungsnormen zu entnehmen. Für Stahl ist das die Tabelle 2 in der DIN EN 1090-2. Bei Aluminium trifft hier die Tabelle 2 der DIN EN 1090-3 zu.
  • Der Abschnitt „Grundlegende Toleranzen“ der jeweiligen Ausführungsnorm beschreibt zulässigen Abweichungen für Abmessungen und Form.
  • Weiter wird der Begriff „schweißbar“ definiert. Auch sollen Materialien, wenn wichtig, in Dickenrichtung bewertet werden. Stichwort Z-Güte.
  • Es sind bei Stahlbauten Werkstoffe mit geeigneten Bruchzähigkeiten zu wählen. Bei Aluminiumkomponenten wird die Bruchzähigkeit nicht festgelegt. Mit abnehmender Temperatur verbessern sich hier die Kennwerte.
  • Deklaration Tragfähigkeit, entweder anhand Querschnittwiderstand oder anhand der Bemessungsunterlagen
  • Deklaration der Ermüdungsfestigkeit
  • Einstufung des Feuerwiderstands
  • Betrachtung Verformungen Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit
  • Brandverhalten im Sinne der EN 13501-1
  • Freisetzung radioaktiver Strahlung oder Cadmium nicht erlaubt
  • Anforderungen Korrosionsschutz einhalten

Durchführung einer Erstprüfung (ITT)

Eine erste interne Prüfung ist im Sinne der Bauproduktenverordnung festgeschrieben. Hier soll ein Hersteller zeigen dass er in der Lage ist, tragende Bauteile normgerecht und nach den aktuellen Regeln der Technik herzustellen bzw. in Verkehr zu bringen. Diese Erstprüfung muss der Unternehmer in Eigenverantwortung durchführen und dokumentieren. Wird während oder nach der Prüfung festgestellte, dass das Korrekturmaßnahmen erforderlich sind, müssen die Maßnahmen den Korrekturmaßnahmen der Ausführungsnormen entsprechen.

Zur Durchführung der Erstprüfung werden vom Hersteller zunächst Produkte in Produktfamilien zusammengefasst. Diese Einteilung sollte möglichst geschickt durchgeführt werden, um den Aufwand für erforderliche Bewertungen zu minimieren. Hierbei ist darauf zu achten, dass Produkte mit wesentlich gleichen Eigenschaften in einer Produktfamilie zusammen betrachtet werden. So sollten beispielsweise zwei geschweißte Stahlkonstruktion aus dem gleichen Grundwerkstoff und dem selben Schweißverfahren hergestellt, einer Familie zugeteilt werden. Bauteil aus Werkstoffe mit einer geringeren Festigkeit können Produktfamilien mit höheren Anforderungen zugerechnet werden. Ähnliche Regeln existieren für den Aluminium-Bereich.

Innerhalb der Prüfung müssen folgende Themen abgeprüft und dokumentiert werden:

  • Toleranzabweichungen
  • Schweißeignung
  • Zähigkeitswerte
  • Tragfähigkeit
  • Ermüdungsfestigkeit
  • Verformung im Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit
  • Feuerwiderstand
  • Brandverhalten
  • Freisetzung von Radioaktivität und Cadmium
  • Schlagfestigkeit
  • Dauerfestigkeit

Nach Abschluss der Erstprüfung müssen die Ergebnisse sorgfältig dokumentiert und archiviert werden.

Werkseigene Produktionskontrolle (WPK)

Eine weitere Grundvoraussetzung, die die DIN EN 1090-1 stellt, ist die werkseigene Produktionskontrolle. Der Hersteller wird aufgefordert diese einzurichten, zu dokumentieren und zu prüfen, ob in Verkehr gebrachte Produkte die geforderten Leistungsmerkmale besitzen. Im weiteren lässt ein Unternehmer sich die funktionierende WPK von einer notifizierten Stelle zertifizieren. Oft zertifizieren die schweißtechnischen Lehr und Versuchsanstalten (SLV), oder TÜV-Ableger.

Um eine Werkseigene Produktionskontrolle im Sinne der DIN EN 1090 einzuführen, werden üblicherweise verschiedene Dokumente, Kontrollen und Prüfungen im Betrieb und im Betriebsablauf eingeführt. Auch werden Prüfpläne für herzustellende Bauteile erstellt.

Wichtig: Wenn sich ein Betrieb eine WPK zertifizieren lässt, muss er diese auf alle Produkte anwenden. Es ist nicht möglich, Produkte nach DIN EN 1090-1 herzustellen und andere nicht.

Wo gilt die DIN EN 1090-1

Zunächst ist 1090 für alle Betriebe die in der EU Pflicht, die tragende Bauteile aus Stahl oder Aluminium für die Baubranche herstellen oder in Verkehr bringen wollen. Hier ist erst mal egal, ob nur geplant oder nur ausgeführt/hergestellt wird. Das Zertifikat der WPK, sowie das Schweißzertifikat nach den Ausführungsnormen müssen in den aller meisten Anwendungsfällen vorhanden sein. Und das in jeder beteiligten Firma. Ein „Ausleihen“ eines Zertifikates ist zwar oft zu sehen, jedoch wenig rechtssicher.

Fazit

Firmen und Betriebe die innerhalb Europas Stahl- oder Aluminiumbau anbieten, planen oder herstellen möchten und keine Zertifizierung nach DIN EN 1090-1 besitzen, sollen sich schnellstmöglich darum kümmer. Die Bauproduktenverordnung macht es deutlich. Herstellen ohne Zertifizierung ist nicht rechtssicher.

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